Der Tag, als meine erste Leica einzog

Der Tag, als meine erste Leica einzog

Dem Mythos „Leica“ auf der Spur

Ich weiß gar nicht mehr genau, wonach ich bei Ebay-Kleinanzeigen gestöbert habe, als ich bei irgendwem in der Angebotsliste eine gebrauchte, vollkommen abgerockte Spiegelreflexkamera mit der Bezeichnung Leica R3 entdeckt habe. Kannte ich bis dahin nicht, ich kann ja normalerweise nur Canon. Ich fand’s aber spannend, und hab direkt mal recherchiert.

Den Grundstein für den Mythos Leica legte das Unternehmen mit seinen weltbekannten Messsucherkameras, mit denen Leica bis in die 70er Jahre hinein weltweit die Standards setzte. Für funktionsfähige Kameras dieses Typs aus der damaligen Zeit werden von Sammlern auch heutzutage ein Vermögen bezahlt.
 

In den 70er des letzten Jahrhunderts begannen dann jedoch die Spiegelreflexkameras ihren Siegeszug. Diesen Trend verpasste Leica einigermaßen und fiel mit den eigenen Produktentwicklungen binnen kürzester Zeit hoffnungslos hinter die japanische Konkurrenz zurück. Um diesen wachsenden Markt nicht aufgeben zu müssen entschloss man sich bei Leica dann zu einer Kooperation mit Minolta, mit deren Hilfe Leica 1976 dann die R3 auf den Markt brachte. Diese Kamera war bei Erscheinen sogar dem Minolta-Modell, auf dem sie basierte, technisch überlegen. Circa 70.000 Einheiten der R3 wurden bis 1979 produziert.

Im Jahr 1980 erschien dann die Leica R4. Diese besaß neben einem deutlich modernen Design auch eine Zeit- und Blendenautomatik und war die erste Kamera im Leica-Sortiment mit einer damals innovativen Programmautomatik. Die Gesamtproduktion bis 1986 wird auf ca. 100.000 Exemplare geschätzt. Und eine davon sollte mir gehören.

 

Auf Ebay-Kleinanzeigen haben wir uns dann gefunden

Nach einiger Recherche, Beobachtung von Auktionen bei Ebay, Angeboten auf Ebay-Kleinanzeigen und sehr netten Kontakten in einschlägigen Facebook-Gruppen hatte ich nach zwei Wochen das Gefühl, mich einigermaßen auszukennen und mit etwas Glück bei einem Kauf die allerdümmsten Anfängerfehler vielleicht vermeiden zu können.
 
Ins Auge fiel mir auf Ebay-Kleinanzeigen recht schnell eine Leica R4 aus dem Jahre 1982 im „gut erhaltenen Zustand“ von einer professionellen Fotografin aus Bayern, aus erster Hand. Ein bisschen Texterei hin und her – sie immer total freundlich, ich immer total skeptisch – und ich habe das gute Stück dann gekauft. Immer noch etwas skeptisch, denn von einer Fotografin habe ich aufgrund der zumindest zeitweise intensiven Nutzung eher eine Kamera mit deutlichen Gebrauchsspuren erwartet. Was ja eigentlich nicht weiter schlimm ist, denn alte, regelmäßig benutzte Kameras sind meistens technisch besser in Schuss als Stücke, die Jahrzehnte in der Vitrine verbracht haben und dort im wahrsten Sinne des Wortes eingerostet sind. Und letztlich will ich das Ding ja auch benutzen und nicht in der Vitrine verstauben lassen.
 

Aber mit meiner Skepis lag ich komplett falsch. Die Kamera, die Verpackung und die ganzen Papiere sahen aus wie frisch aus dem Laden – unglaublich nach dieser langen Zeit. Die Kamera ist immerhin 38 Jahre alt. Offensichtlich hatte ich da wohl extremes Glück mit meiner Vorbesitzerin gehabt. Im Paket lag zudem ein sehr netter, sehr persönlicher Brief, in dem sie mir am Ende viel Spaß und viele wunderbare Bilder mit ihrem alten Schätzchen wünscht. Ebay-Kleinanzeigen ist manchmal ein richtig toller Ort.

Und deshalb… Vielen Dank Gerti, für Deine wunderschöne gepflegte Kamera. Ich bin mir sicher ich werde das gute Stück in Deinem Sinne weiterbeschäftigen und in Ehren halten. Ein paar Filmrollen liegen schon bereit. Sobald das passende Glas eingetroffen ist, geht’s los. Ich werde berichten.

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